Einstellungssache: Zwei skandinavisch inspirierte Denkanstöße für entspannte Produktivität

Auch wenn Sie nicht alle Stressquellen aus Ihrem Alltag entfernen können, nehmen Sie sich doch ein Beispiel an der schwedischen Arbeitskultur.

Zwei skandinavisch inspirierte Denkanstöße für
entspannte Produktivität

Wieso machen 90% der schwedischen Firmen "Fika" und warum lachen Finnen über Überstunden?

„Wenn man beginnt, seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in den Urlaub fahren.‘‘– Ephrahim Kishon

Auch wenn dieser Einstieg vermutlich zum Schmunzeln anregt, schauen Sie sich einmal in Ihrem Büro um. Sehen Ihre Kollegen* ausgelaugt und gestresst aus? Sie selbst vielleicht auch? In diesem Artikel möchte ich Ihnen zwei skandinavisch inspirierte Denkanstöße an die Hand geben, mit denen Sie entspannter durch den Alltag kommen – auch ohne Urlaub in der schwedischen Holzhütte!

Wieso verspüren Sie mehr Stress als vor ein paar Jahren?


Heutzutage leben wir in einer Welt, die von Reizüberflutung und einem steigenden beruflichen Leistungs- und Termindruck gekennzeichnet ist. Unternehmen wollen stetig ihre Performance verbessern und gleichzeitig Kosten niedrig halten. Für Sie als Mitarbeiter bedeutet das meist „mehr Arbeit auf weniger Köpfe verteilt“.

Auch die Verfügbarkeit hat sich verändert. Während man vor Jahrzehnten noch in den Feierabend verschwand und bis zum nächsten Tag nichts mehr von der Arbeit hörte, spüren wir heute die explizite oder implizite Erwartung, ständig erreichbar zu sein.

In Gedanken sind wir quasi immer auf der Arbeit. Aber: Muss das sein? Und ist das am Ende des Tages wirklich produktiver? Die Arbeitskultur in Schweden beweist: nein. Die schwedische Wirtschaft boomt, und gleichzeitig ist das Stresslevel sowohl bei Angestellten als auch bei Führungskräften im europäischen Vergleich niedrig. Im World Happiness Report, dem internationalen Glücksranking, belegt Schweden immer wieder einen der vorderen Plätze.

Zwei skandinavisch inspirierte Denkanstöße für bessere Ergebnisse bei weniger Stress

 

Hinterfragen Sie Ihre Einstellung zum Thema „Pause“

Wussten Sie, dass das Gehirn bis zu 20 Prozent des Energieverbrauchs benötigt und damit unter den Organen ein wahrer Energiefresser ist? Die Verarbeitung von Informationen ist Schwerstarbeit für Ihr Gehirn. Insbesondere, wenn wir viele neue Informationen aufnehmen und verarbeiten müssen, kommt der Zeitpunkt, an dem wir nicht mehr aufnahmefähig sind. Was tun Sie, wenn Ihr Kopf voll ist? Zwingen Sie sich, weiterzuarbeiten? Jorge Bucay hat zu dieser Thematik eine schöne Geschichte verfasst, die ungefähr so geht:

Es war einmal ein Holzfäller, der eine neue Arbeit aufnahm. Am ersten Tag schaffte er 20 Bäume, am zweiten Tag bei gleicher Anstrengung nur 10 Bäume. Am dritten Tag legte er sich so richtig ins Zeug und arbeite bis zur Erschöpfung, schaffte aber nur 5 Bäume. Beschämt trat er vor seinen Vorarbeiter und bat um Entschuldigung. Der Vorarbeiter fragte ihn: „Wann hast du denn das letzte Mal deine Axt geschärft?“ Der Holzfäller antwortete: „Die Axt geschärft? Dazu hatte ich keine Zeit! Ich war zu beschäftigt damit, Bäume zu fällen“.

Als Wissensarbeiter ist Ihr Kopf Ihre Axt. Denkpausen sind kein „nice to have“, sondern ein absolutes Muss sowohl für Ihr Wohlbefinden als auch für Ihre Arbeitsergebnisse. Wer keine regelmäßigen Pausen einlegt, der wirkt vielleicht fleißiger, erreicht aber am Ende des Tages weniger.

Schwedische Firmen haben die Kraft der Pausen schon längst verstanden: Eine gemeinsame Kaffeepause, genannt „Fika“, gehört fest zur Arbeitskultur und wird an 90% der schwedischen Arbeitsplätze gepflegt. Am Vor- oder Nachmittag verabredet man sich mit Kollegen und Vorgesetzten im Pausenraum, trinkt Kaffee, knabbert Gebäck und bespricht alles vom letzten Urlaub bis zum aktuellen Budget. Für Deutsche mag das unproduktiv wirken, doch Umfragen zufolge glaubt die Mehrheit der Schweden, dass sie durch die gemeinsame Kaffeerunde effektiver arbeiten. Ich glaube das sofort: Es werden wichtige Informationen ausgetauscht, Missverständnisse behoben und der Teamzusammenhalt gestärkt.

Hinterfragen Sie Ihre Einstellung zum Thema „Überstunden“

Die Gründe für Überstunden sind vielfältig: Der eine nutzt sie, um sich ein paar mehr Euro am Ende des Jahres auszahlen zu lassen, der andere findet abends einfach keinen Absprung, weil der Schreibtisch immer noch so voll ist wie bei Arbeitsbeginn.

Der häufigste Grund, weswegen Überstunden gemacht werden, ist meiner Beobachtung nach aber ein ganz banaler: Es sieht gut aus! Überstunden zeugen von besonderem Einsatz. Je wichtiger der Arbeitsplatz, desto mehr Überstunden. Ein besonders krasses Beispiel habe ich selbst vor Jahren als Mitarbeiterin eines Handelsunternehmens erlebt. Die unausgesprochene Regel in einer benachbarten Abteilung war: Man geht nicht vor 19 Uhr, auch wenn die Arbeit längst erledigt ist. Wer früh geht, gilt als weniger motiviert. Was für ein Quatsch!

Während in Deutschland Anwesenheit mit Leistung gleichgesetzt wird, gibt es Skandinavien weder gesellschaftliche Akzeptanz noch Anerkennung dafür, für die Arbeit die Freizeit zu opfern. Ganz im Gegenteil: Wer fertig ist, ist fertig, auch mal eine Stunde vor dem eigentlichen Feierabend.

Augenöffnet war für mich ein Gespräch mit einer finnischen Kollegin. Die deutsche Eigenart, Überstunden als besonderen Einsatz zu verstehen, entlockte bei ihr nur ein Schmunzeln. „In Finnland“, sagte sie, „machen Überstunden nur Menschen, die ihren Job nicht im Griff haben. Wer gut organisiert und kompetent ist, der schafft seine Arbeit in der vorgegebenen Zeit.“

Fazit

Auch wenn Sie nicht alle Stressquellen aus Ihrem Alltag entfernen können, nehmen Sie sich doch ein Beispiel an der schwedischen Arbeitskultur, integrieren Sie mehr Pausen in den Alltag und überdenken Sie Ihre Einstellung zu Überstunden. Während in Deutschland Fleiß ohne Pause und Arbeitseinsatz ohne Ende mit Produktivität gleichgesetzt werden, weiß man in Schweden: Wer nicht lebt, kann auch nicht arbeiten. Und wer glücklich und stressarm arbeitet, der schafft mehr in weniger Zeit.

*Aus Gründen der Leserlichkeit wird nur die männliche Form verwendet. Gemeint sind immer alle Geschlechter (m/w/d) gleichermaßen.

Bild von Steve Cliff auf Pixabay



Linda Wulff Productivity Coach in Hamburg. Berlin, Lübeck

Linda Wulff unterstützt als Productivity Coach Einzelpersonen von der Mitarbeiterin bis zur Führungskraft sowie ganze Teams dabei, bei weniger Stress mehr zu erreichen. Sie hat Büros in Hamburg, Berlin und Lübeck, gibt Firmenseminare deutschlandweit und nutzt Webkonferenztools wie Skype für Einzelcoachings in ganz Europa.

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Endlich wieder „Zeit für mich“

Endlich wieder "Zeit für mich"

Wie Sie trotz Stress noch Zeit für sich selbst finden

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt Zeit für sich selbst genommen, um Ihre Batterien wieder aufzuladen?

Sich für sich selbst Zeit zu nehmen klingt einfach, wird aber immer schwieriger. Überall sind wir erreichbar und können binnen Sekunden aus unserer Erholung herausgerissen werden. Stress, Hektik und Überforderung übernehmen unseren Alltag und wir merken, wie uns immer mehr Energie fehlt.

Warum Zeit für Erholung kein Luxus ist

Kennen Sie einen Menschen auf dieser Welt, der bei dauerhaftem Stress immer gesünder wird? Wohl kaum.Dauerstress führt wissenschaftlich erwiesen zu einer konstanten Abnahme der Leistungsfähigkeit. Schuld ist das Stresshormon Cortisol, das der Körper bei langanhaltendem Stress ausschüttet und das auf Dauer die Synapsen im Gehirn angreift. Entspannung und Anspannung müssen zwingend im Gleichgewicht stehen, um Ihre geistige Leistungsfähigkeit und damit Ihre Produktivität zu wahren.

Überlegen Sie sich einmal, wann Sie sich zuletzt entspannt und geistig frei gefühlt haben. Anschließend denken Sie bitte an den letzten Moment, wo Sie sich als gestresst oder genervt erlebt haben. Wenn die kraftlosen Phasen dominieren, dann besteht dringender Handlungsbedarf!

Wieso haben Sie so wenig Zeit für sich selbst?

Stellen Sie sich Ihre nächste (wahrscheinlich vollgepackte) Woche vor. Was tun Sie, wenn Sie eine weitere Terminanfrage bekommen? Sie werden vermutlich versuchen, den Termin in den Kalender zu quetschen, Überstunden zu machen oder Ihre Freizeit für etwas zu verwenden, dass Ihnen keine Freude bereitet.

Gerade was Termine angeht, haben wir es verlernt, Nein zu sagen oder ein Datum zu finden, das uns entspannt in den Kalender passt. Wir sagen „ja“ zu Terminen und „nein“ zu Zeit für uns. Blind nehmen wir an, dass wir die Zeit für uns noch nächste Woche nachholen können. Doch seien Sie ehrlich: Werden Sie nächste Woche wirklich Zeit für sich selbst haben oder nehmen, nach dem Sie es diese Woche schon nicht geschafft haben?

Wie nehmen Sie sich Zeit für sich selbst?


Schritt 1: Definieren Sie, was Entspannung für Sie bedeutet.

Das Empfinden von Entspannung ist individuell sehr unterschiedlich. Für den einen bedeutet Erholung ein Besuch in der Sauna, für den anderen ein Abend mit Freunden. Wo liegen Ihre persönlichen Präferenzen? Listen Sie all die Dinge auf, die Ihnen einfallen. Aussortieren können Sie später immer noch.

Besonders Menschen, die schon lange keine Zeit mehr für sich genommen haben (z.B. Eltern von kleinen Kindern und/oder beruflich extrem eingespannte Personen) fällt schon dieser erste Schritt schwer. Hier hilft häufig der Blick in die Vergangenheit: Was haben Sie vor dieser stressigen Phase gerne gemacht?

Schritt 2: Definieren Sie einen angemessenen Rahmen für sich

Hand aufs Herz: Auch wenn eine Stunde am Tag für sich selbst sicherlich schön wäre, umsetzen kann das nicht jeder. Starten Sie lieber klein, aber realistisch: der freie Abend mit Freunden, die Stunde für den Lieblingssportkurs oder der entspannte Spaziergang nach Hause statt der Rückfahrt mit dem Bus.

„Zeit für mich“ soll etwas sein, dass Sie entspannt und Ihnen nicht noch mehr Stress erzeugt.

Schritt 3: Machen Sie es fix

Egal, wieviel Zeit Sie für sich definiert haben: Sorgen Sie dafür, dass Sie sich diese Zeit auch wirklich nehmen und sie nicht in der „Dringlichkeit des Alltags“ wieder untergeht.

Blocken Sie die Zeit in Ihrem Kalender, gehen Sie eine verbindliche Verabredung ein und kommunizieren Sie Ihr Vorhaben mit Ihren Liebsten – Absichtserklärung nennt die Psychologie das.

Schritt 4: Verbessern Sie Ihre Abläufe

Haben Sie sich doch einen Termin in die zuvor definierte ,,Me-Time‘‘ geschrieben?

Versuchen Sie, Ihr Verhalten direkt am nächsten Tag zu verbessern und evaluieren Sie, wie es zu diesem Bruch mit sich selbst gekommen ist. Was können Sie bei der nächsten Planung verbessern?

Zeit für sich selbst ist und bleibt wichtig

Wenn Sie jeden Tag voller Energie bewältigen wollen, dann kommen Sie um regelmäßige, bewusst genommene Zeiten der Erholung nicht herum. Gerade in der heutigen Zeit besteht der Alltag aus Reiz- und Informationsüberflutung. „Volle Kraft voraus“ mag eine Zeit funktionieren, doch ein Cortisol-Dauerpegel wird sich mit der Zeit negativ auf Ihre Gesundheit und Produktivität auswirken. Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst, auch wenn Ihnen das schwerfallen mag. Sie tun es für Ihre Gesundheit.

Linda Wulff Productivity Coach in Hamburg. Berlin, Lübeck

Linda Wulff bietet Business Coaching, Führungskräftecoaching, Zeitmanagement-Coaching und Teamentwicklung in Lübeck, Hamburg, Berlin sowie online per Webkonferenz-Tools. Vereinbaren Sie doch einfach mal ein kostenloses Erstgespräch!

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